Eltern-Kind-Turnen auf zwei Rädern: Yamaha betreibt das im eigenen Land systematisch.
Eltern-Kind-Turnen auf zwei Rädern: Yamaha betreibt das im eigenen Land systematisch. (© Yamaha)
Branche

Yamaha setzt in Japan aufs Eltern-Kind-Biken
17.01.2020

Der Hersteller betreibt im eigenen Land bereits seit den 1980er-Jahren ein Schnupper- und Lernprogramm auf zwei motorisierten Rädern für Kinder und deren Erziehungsberechtigte. Frühförderung mal ganz anders...

Während man hierzulande in der sportlichen Zweisamkeit von Nachwuchs und Elternteil eher auf Programme wie Mutter-Kind-Turnen oder ähnliches setzt, geht man im „Land des Lächelns“ durchaus auch einmal andere Wege. Der ortsansässige Zweiradhersteller Yamaha jedenfalls ist auf diesem Feld engagiert und setzt eine ganz eigene Note – in Form einer Eltern-Kind-Motorradklasse, die Kindern im Grundschulalter die Möglichkeit geben soll, gemeinsam mit ihren Eltern bzw. Erziehungsberechtigten das Motorradfahren in einem geschützten, sicheren Umfeld auszuprobieren. Das Programm begann laut Hersteller bereits in den 1980er-Jahren und zielt darauf ab, den Spaß am Motorradfahren zu vermitteln, die Bindung zwischen Kindern und ihren Eltern/Betreuern durch gemeinsame Erfahrungen zu stärken sowie die Regeln und Umgangsformen für sicheres Fahren zu vermitteln.

Selbst für Kinder, die bereits gut Fahrrad fahren könnten, könne die erste Begegnung mit dem Geräusch eines Motorradmotors Ängste und Spannungen erzeugen, was natürlich zu einer gewissen Zögerlichkeit führe, beschreibt man bei Yamaha die Ausgangssituation, auf die man regelmäßig treffe. Aber die Kinder fassten schnell Mut und würden zunehmend sicherer und mutiger. „Es ist, wie wenn ein Baby zum ersten Mal krabbelt. Diesen Moment zu beobachten, macht mich glücklich und das liebe ich am meisten“, sagt Rie Nishimori, die als Trainerin im Yamaha-Programm arbeitet.

Das Programm endet nach der Grundschulkasse indes nicht, sondern findet seine Fortsetzung für Schüler der Junior High School. Auf sie warten Workshops, in denen sie – wiederum zusammen mit ihren Eltern – lernen, einen Motorradmotor zu zerlegen und wieder zusammenzubauen. Yamaha beschreibt diesen Part als „sehr schwieriges Programm“. Aber genau aus diesem Grund breche im Raum jedesmal dann, wenn ein teilnehmender Schüler den wieder aufgebauten Motor starte und er zum Leben erwache, großer Applaus aus.

„Wir wollen, dass die Kinder, die an der Eltern-Kind-Motorradklasse teilgenommen haben, ihr Interesse an Motorrädern behalten, damit wir vielleicht eines Tages gemeinsam auf Tour gehen können“, sagt Trainerin Nishimori. Und was lernen wir hier in Deutschland daraus? Das Thema Zweirad früh in den Köpfen anzulegen, dem Motorrad den Ruf als „Monster im Straßenverkehr“ zu nehmen, den technikaffinen Nachwuchs früh zu fördern und ihn auf das Thema Zweiradtechnik zu konditionieren, kann funktionieren - die Japaner beweisen es. Und die Eltern dabei von Anfang an mitzunehmen, ist ebenfalls keine schlechte Idee. Nur: Wer wagt es, solch einen Themenkomplex anzupacken in Deutschland, dem „Land des Zögerns und Zauderns“...

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