Agiler Kurvenbrenner: BMW G 310 R. Testride   5 Bilder

BMW G 310 R: Kurvengieriger Motorradfloh
4. 9. 2017

Das kleinste Motorrad im Stall der Bayern macht ganz auf erwachsen und markiert einen würdigen Einstieg in den BMW-Kosmos.

Um es gleich vorwegzunehmen: Die G 310 R ist zwar etwas kleiner, hat von allem etwas weniger. Dennoch ist sie eine echte BMW, ein vollwertiges Mitglied der Familie. Die Verarbeitung geriet dem indischen Kooperationspartner TVS, der das Einsteiger-Bike baut, derart gut, dass man sich bereits beim ersten Aufsitzen zu Hause fühlt – so, wie man es von den großen Brüdern und Schwestern der „Drei-Zehn“ gewohnt ist. Da ist alles am Platz (wenn man nicht weit über 1,80 Meter Körperhöhe hinausragt). Da scheppert und wackelt nichts. Da sitzt sich’s richtig gut. Die Kleine wirkt in dieser Disziplin äußerst reif.

Federleicht und spritzig fühlt sich das sorgsam ausbalancierte Fahrwerk der 310 mit seinen preiswerten, aber feinfühlig arbeitenden Kayaba-Elementen an. Es sorgt im Verein mit den sehr guten Michelin (Pilot Street Radial)-Reifen für eine in jeder Fahrsituation satte Verbindung zur Straße und unterstützt die Kurvengier des Fahrers willig. Die Bremsen aus dem Regal des indischen Brembo-Discount-Arms „Bybre“ arbeiten, unterstützt von einem Conti-ABS, zuverlässig und zu­packend. Lediglich der Hebelweg am Hinterrad-Stopper geriet den Indern etwas zu lang, so dass kein wirkliches Gefühl für die Heckbremse entstehen mag.

Überrascht haben uns die Laufruhe und der lineare Drehmomentverlauf des Einzylinders. Der Eintopf, der „verkehrtherum“ montiert ist, das heißt – wie die Crosser von Yamaha – den Einlass vorne hat, schiebt vom Stand bis zur realistischen Vmax von rund 130 km/h sauber durch. Und entlässt dabei einen ordentlichen Sound über die formschöne Tüte, der manch größerem Bike zur Ehre gereichen würde. Das Sechsgang-Getriebe der Junior-BMW lässt sich – entgegen so manchen Gerüchts – butterweich durchschalten, lediglich die Leerlaufsuche geriet bisweilen etwas hakelig.

Über das einfarbige LCD-Cockpit liefert die Kleine alle notwendigen Informationen in sauberer, gut ablesbarer Darstellung aus. Sogar Ganganzeige und Infos über Momentan- und Durchschnittsverbrauch sind serienmäßig an Bord.

Unser Fazit:
BMW liefert mit der G 310 R ein reifes Bike aus, das mit guter Verarbeitung und einer funktionalen Ausstattung ohne wesentliche Lücke glänzt. Große Pluspunkte der kleinen, leichten Fahrmaschine sind ihr supereinfaches Handling, das glasklare Feedback, das Motor, Fahrwerk, Bremsen und Getriebe liefern, sowie die niedrige Sitzhöhe. Diesem Paket verpasst man dann ganz gerne mal den Stempel „Einsteiger- und Fahrschulbike“. Das wäre aber zu kurz gesprungen, denn die „Drei-Zehn“ taugt durchaus auch für erfahrenere Piloten. Ein breiter Ansatz, der nicht nur in Deutschland, sondern vor allem in den 310-Zielmärkten Asien und Südamerika funktionieren sollte. Also: Alles richtig gemacht, BMW!

Technische Daten:
Wassergekühlter Einzylinder-Viertaktmotor mit zwei obenliegenden Nockenwellen, Hubraum: 313 ccm. Nennleistung: 25 kW (34 PS) bei 9.500 U/min., max. Drehmoment: 28 Nm bei 7.500 U/min. Mehrscheibenkupplung im Ölbad, mechanisch betätigt; Klauengeschaltetes 6-Gang-Getriebe. Kettenantrieb. Leergewicht fahrfertig und vollgetankt: 158 kg, zul. Gesamtgewicht: 345 kg. Tankvolumen: 11 Ltr., Testverbrauch: 3,3 l, Reichweite: ca. 330 km. Reifen: 110/70 R17 vorn, 150/60 R17 hinten. Einscheibenbremse vorn (Ø 300 mm), 4-Kolben Festsattel, radial verschraubt; Einscheibenbremse hinten (Ø 240 mm), Ein-Kolben Schwimmsattel. Grundpreis: 4.750 Euro.

(Video: Hersteller)

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