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Testride: Voge SR4 Max 350
31.08.2023

Die von der Weidener MSA GmbH vertriebene Zweiradmarke Voge hat seit diesem Jahr einen Maxi-Roller am Start: Den SR4 Max 350. Wir haben den schicken Sportler mal ausprobiert.

Bislang kannte man von Voge, der eigenen Zweiradmarke jenes chinesischen Unternehmens Loncin, bei dem BMW beispielsweise seine Reihenzweizylinder für die F-Reihen fertigen lässt, eher als astreinen Motorradhersteller – mit schicken Naked Bikes, einigen neoklassisch angehauchten Brennern oder charakterstarken Reise-Enduros im Fuhrpark. Auf der vergangenen Intermot zeigte man nun auch erstmals einen Mittelklasse-GT-Roller mit dem geflügelten Voge-Logo auf der Verkleidung, den SR4 Max 350. Der seit dieser Saison im Handel verfügbare Maxi-Sportroller bringt große Räder mit (vorne 15, hinten 14 Zoll), wird von einem flüssigkeitsgekühlten Einzylinder-Viertaktmotor mit 29 PS (21,3 kW) Spitzenleistung und 30 Nm Drehmoment befeuert, dazu gibt’s reichlich Ausstattung. Für die Kern-Komponenten bediente man sich bei namhaften Zulieferern: Das Bremssystem etwa stammt vom spanischen Hersteller J.Juan, der seit zwei Jahren zu Brembo gehört, die Federelemente steuert der im Zweiradbereich gerade bei den japanischen Marken omnipräsente Spezialist Kayaba bei, die Pneus in Gestalt des Modells „Angel Scooter“ kommen aus den Backöfen von Pirelli. Dazu gibt’s Voll-LED-Beleuchtung inklusive Kurven- und Tagfahrlicht, ein sieben Zoll durchmessendes und damit recht großformatiges TFT-Farbdisplay mit Smartphone-Anbindung, einen USB-Anschluss, ein schlüsselloses Start-System, eine Reifendruckkontrolle und etliches mehr. Mit rund 6.700 Euro Listenpreis geht der SR4 Max an den Start – und ist damit ein klein wenig teurer als Konkurrenten von Sym (Maxsym 400 – 6.399 Euro) oder Kymco (New Downtown 350i – 6.449 Euro) und ein klein wenig preiswerter als der Honda Forza 350 (7.060 Euro) oder Yamahas X-Max 300 (ab 6.800 Euro).
Bei der ersten Annäherung an den SR4 Max fällt sein sportlich-kantiges Design auf, das laut Hersteller aus Italien stammt, wo man mit Rollergestaltung bekanntermaßen bestens vertraut ist. Die Ergonomie stimmt, die stark gestufte Sitzbank passt gut für Fahrer, die spätestens bei 1,80 Meter Körperhöhe Halt gemacht haben, die Bedienelemente liegen dank eines ausreichend breiten Lenkers satt in der Hand, die Rückspiegel liefern trotz schlanker Kontur einen ungetrübten Blick retour.
Die ersten Fahrkilometer offenbarten einen sprintstarken Antrieb, der unter Beweis zu stellen vermochte, dass der von einer Ausgleichswelle harmonisierte, 350 Kubikzentimeter mächtige Einzylinder-Vierventiler das Zusammenspiel mit dem stufenlosen CVT-Getriebe beherrscht. Insgesamt hing der von uns gefahrene SR4 Max lebendig am Gas und schaffte den Ampelsprint von 0 auf 50 km/h in 3,1 Sekunden. Das ABS und die verbaute Traktionskontrolle waren am Testfahrzeug auf hohe Sensibilität justiert, so dass Regeleingriffe frühzeitig, den Fahrfluss aber nie störend erfolgten.
Für das Fahrwerk mit 35-Millimeter-Telegabel vorne und zwei Federbeinen hinten fanden die Voge-Ingenieure nach unserem Geschmack einen guten Kompromiss zwischen Stabilität vermittelnder Straffheit und Komfort, so dass durchaus auch eine sportliche Gangart möglich ist. Vor allem die serienmäßigen Pneus bauen ab den ersten Metern Vertrauen auf und bescheren dem Max ein kurvenagiles und spurstabiles Fahrverhalten. Das Bremssystem hatte mit den 214 Kilos fahrfertiger Masse überhaupt kein Problem, ließ sich überdies sauber dosieren.

Die gut 200 Kilo Zuladung, die der Max verträgt, sind sehr ordentlich.
Eine Funktion, die Voges Premierenroller mitbringt, regte uns indes zum Nachdenken an. In der Frontverkleidung ist nämlich eine Frontkamera fest verbaut, die – sofern man eine Micro-SD-Card in einen entsprechenden Schacht im rechten Handschuhfach eingelegt hat – beständig aufzeichnet, sobald die Zündung aktiviert ist. Überdies kann man, drückt man einen Knopf am rechten Lenkerende, Standbilder anfertigen. Das Filmergebnis in Gestalt kurzer Videoblöcke ist qualitativ recht ansprechend, wirft aber sogleich datenschutzrechtliche Bedenken auf, wie man sie mit Dash-Cams in Deutschland eben hat. Das Recht am eigenen Bild genießt hierzulande – anders als etwa in China – einen hohen Stellenwert. Und andere Verkehrsteilnehmer und deren Kennzeichen lassen sich nun mal nicht eben einfach wegdiskutieren. Die Funktion gilt es also mit Bedacht zu nutzen.


Unser Fazit:
Voge bringt mit dem zunächst ausschließlich in Schwarz oder Weiß lieferbaren SR4 Max einen charakterstarken, fahraktiven, bestens verarbeiteten und mit hohem Nutzwert agierenden Sportroller an den Start, der auf Anhieb zu überzeugen weiß. Angesichts des hohen Ausstattungs- und Technikniveaus geht der Preis vollauf in Ordnung.

 

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