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Stefan Heßler: Der DR Big Versteher
20.04.2018

Mit immensem Engagement hat sich Stefan Heßler ein beachtliches Geschäftsmodell rund um das legendäre DR Big-Spektrum von Suzuki aufgebaut. Wir haben das Heßler Rallye Team besucht. Und waren überrascht, was in der Szene alles geht.

Das Vessertal im Biosphärenreservat Thüringer Wald klingt zunächst mal nicht nach Vereinbarkeit von Naturschutz mit Gelände beanspruchendem Motorsport. Dennoch hat sich hier, im Dunstkreis des UNESCO-Schutzgebiets, ein Unternehmer etabliert, der das stollige Metier als Kernaufgabe und Berufung versteht. Stefan Heßler hat in St. Kilian, einem beschaulichen Weiler hart am Rande besagter Naturschutzzone, einen Spezialbetrieb aufgebaut, dessen Name inzwischen in der ganzen Welt Klang hat. Beinahe jeder, der sich ernsthaft mit den legendären, einst Design-prägenden DR Big-Baureihen von Suzuki befasst, kennt Stefan Heßler, kennt das Heßler Rallye Team.

Eingetaucht
Der studierte Elektronik-Ingenieur, passionierte Endurist und leidenschaftliche Kommunikator ist längst zu einem Fixstern der DR Big-Szene geworden: Weil er dieses Spezialgebiet vor Jahren konsequent besetzt hat. Weil er über die Jahre ein derart enormes Wissen über und rund um die japanischen Fahrzeuge aufgebaut hat, dass nicht nur glühende Fans regelmäßig begeistert sind, sondern auch die Vertreter der Marke selbst bereits etliche Male tief verblüfft waren. Bereits vor der Wende, erst recht danach, grub sich Heßler tief und tiefer in die Materie DR Big ein, kaufte von der allerersten Westmark, die er in der Tasche hatte, sein erstes Modell, lernte fortan jede Schraube, jeden Winkel der Baureihe kennen. Und formte aus seinem Know-How schließlich ein tragfähiges Geschäftsmodell.

Die DR Big-Szene lebt. Auf der ganzen Welt sind Clubs, Interessenvereinigungen oder Einzelfahrer auf dem robusten Einzylinder-Großvolumer unterwegs. Sie nehmen an Rennveranstaltungen teil, organisieren eigene Events, fahren mit ihren Bikes in Urlaub, bevorzugt in die unwirtlicheren Regionen auf dem Globus – kurz: sie bewegen ihre Fahrzeuge artgerecht, ihrer Bestimmung gemäß. Und genau hier kommt Stefan Heßler ins Spiel. Nicht selten geht dort, wo eine Maschine hart rangenommen wird, auch einmal etwas kaputt, ein Teil verschleißt, das Bike muss repariert, instandgesetzt, vielleicht kernrestauriert werden.

Problemlöser
Stefan Heßler kann bei all diesen Aufgabenstellungen Vollversorgung bieten. Er hat nahezu jedes Ersatzteil – ob original von Suzuki oder als Nachbau aus eigener Konstruktion – auf Lager oder kann es innerhalb kürzester Zeit beschaffen, zudem binnen 24 Stunden in nahezu jeden Winkel der Erde bringen. „UPS sei Dank“, wie Heßler augenzwinkernd betont. Er kann dort Hilfestellung leisten – am Telefon oder in seiner Werkstatt –, wo der engagierte Laie oder ratlose Profi mit seinem DR Big-Problem nicht mehr weiterkommt. Und Heßler, der stets um größtmögliche Authentizität bemüht ist, weiß, wie man das Bike mithilfe pfiffiger Parts art- und sachgerecht aus- und aufrüsten kann.

Heßler, der einst als Chef der Versuchsabteilung beim im nahen Suhl angesiedelten DDR-Produzenten Simson gearbeitet hatte, hat mit seinem DR Big-Online-Shop und seinem in der Szene längst legendären Unterstützungswillen inzwischen eine Reichweite aufgebaut, die manchen Mittelständler vor Neid erblassen ließe. Und das nahezu im Alleingang. Seine Website wurde bereits millionenfach besucht, in den diversen Blogs, Foren und Social Media-Kanälen, die er unermüdlich und manchmal bis tief in die Nacht befeuert, hat Heßler inzwischen tausende Fans und Follower aus der ganzen Welt. Als vor kurzem eine Gruppe brasilianischer DR Big-Fans Fotos von einer Fluss-Durchfahrt auf ihrer Facebook-Seite postete und Stefan Heßler das anerkennend kommentierte, kam eine beinahe ehrfürchtige Replik: Er, Heßler, habe sie doch erst zu ihrem Tun inspiriert.

Echte Nummer in der Szene
Derlei Kunden-Feedback erntet Stefan Heßler inzwischen häufig. Das Business, das daraus erwachsen ist, die konkrete Nachfrage nach Teilen, Werkstattdienstleistungen, Umbau- und Wiederaufbau-Aufträgen, hat inzwischen solche Dimensionen angenommen, dass Heßlers Gattin ihren Job bei ihrem alten Arbeitgeber kurzerhand gekündigt hat, um beim Heßler Rallye-Team in Vollzeit Verwaltung und Büro zu schmeißen. Und auch in der Werkstatt und im gerade neu entstandenen Bereich für Motor-Revisionen sind neue Mitstreiter an Bord.

Drei bis vier DRs hat das Heßler Rallyeteam ständig in der Mache, rund 30 Pakete verlassen das kleine Versandbüro, das Stefan Heßler in seinen Werkstattraum integriert hat, täglich in alle Welt. Und aus zahlreichen Ländern waren bereits Kunden und DR Big-Fahrer zu Gast in St. Kilian. „Ich bin schon fast so etwas wie ein Touristenbüro für den Ort hier“, schmunzelt Stefan Heßler, als er darüber nachdenkt, wer schon alles bei ihm Station machte und anschließend auf dem nahen Campingplatz oder in einer der Pensionen im Umfeld einquartiert wurde.

Multi-Talent
Motorradfahren, am liebsten in anspruchsvollem Gelände, fast immer im Sattel einer DR Big – das ist die zentrale Leidenschaft des Thüringers. Heßler fährt zahlreiche Rallyes im Jahr selbst oder organisiert welche, so schwierig das in Deutschland zwischenzeitlich auch ist. Zudem fungiert Heßler, der mit allen einschlägigen Instruktor-Weihen und Lizenzen ausgestattet ist, die der deutsche Amtsschimmel fordert, als Testfahrer und schult regelmäßig Spezialeinheiten von Bundeswehr und Polizei in der Kunst des Off­roadens auf hohem Niveau. Und er gibt sein immenses Wissen rund um Fahrdynamik und Motorradtechnik als Dozent in der Meisterausbildung im Zweiradhandwerk weiter.

Im Mittelpunkt seines Schaffens aber steht die Arbeit an der und rund um die DR Big. Ganz hautnah gibt’s die etwa am „SchrauBärTag“, den Stefan Heßler dieses Jahr bereits zum 14. Mal anbot. Rund 60 DR Big-Piloten aus Nah und Fern kamen da wieder nach St. Kilian, belegten sämtliche Betten im Ort, wurden ganz tief in die Geheimnisse des legendären Viertakt-Singles eingeweiht. Und festigten so ihre Beziehung mit dem Mythos DR Big und dem Heßler Rallye Team.

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