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Raritäten-Kabinett: Tokyo Motorcycle Show
27.03.2018

Wer als Europäer die Tokyo Motorcycle Show besucht, bewegt sich auf exotischem Terrain. Dennoch lieferte die blütenreine Motorrad-Messe, die im Gegensatz zu ihrem großen Bruder, der Weltmesse Tokyo Motor Show, eher lokalen Charme versprüht, einige interessante Einblicke.

Wer als Nicht-Asiate den Weg zur übersichtlichen, auf zwei mittelgroße Hallen limitierten Motorrad-Fachmesse Tokyo Motorcycle Show (23. bis 25. März 2018) fand, durfte sich auf interessante Einblicke in einen Markt freuen, der um einiges anders tickt, als man es von Europa gewohnt ist. Greller, bunter, schriller – das war der erste Eindruck, den man von den Präsentationen der geschätzt etwa 150 Aussteller gewann, die zwar alle wichtigen Fahrzeug-, Zubehör- und Ausrüstersegmente bedienten, aber überaus übersichtliche Darstellungsformen und Präsentationstiefen wählten. Die in Japan hoch zelebrierte Comic- und Manga-Kultur war auf der Tokioter Zweiradmesse omnipräsent, prägte das Erscheinungsbild überdeutlich, verlieh den zum Einsatz kommenden Marketing-Elementen der Marktbeschicker eine ganz eigene Note. Selbst die europäischen Fahrzeughersteller, die in Tokyo nahezu lückenlos vertreten waren, vermochten sich diesem Lokalkolorit nicht zu entziehen.

Hinter dem bunten Anstrich aber verbarg sich ganz viel Qualität – und man bekam Fahrzeuge und Fahrzeugsegmente zu sehen, die in Europa noch nie angeboten waren oder längst aus dem Programm genommen wurden. Die kleineren Hubraumklassen zwischen 125 und 400 Kubikzentimetern beispielsweise sind in Japan augenscheinlich dicht besetzt – und boten in Tokyo ein deutlich intensiveres Erlebnis, als man es von den Sortimenten der einschlägigen Anbieter hierzulande gewohnt ist. Auch viele Zweiradtypen, die hierzulande längst den Normenverschärfungen des Gesetzgebers weichen mussten und schmerzlich vermisst werden, feiern in Japan fröhliche Urständ. Nur ein Beispiel: Der luftgekühlte, hubraumstarke Reihenvierzylinder, gerne auch mit Vergaserbeatmung, etwa genießt bei japanischen Fahrzeuganbietern und Tunern einen hohen Stellenwert – was in Gestalt etlicher spektakulärer Ausstellungsstücke sicht- und erlebbar wurde.

In Sachen Fahrerausrüstung und Bekleidung – das wurde in Tokio ebenfalls sichtbar – ist der Japaner lupenreiner Lokalpatriot. Die im Segment antretenden Anbieter kennt man hierzulande kaum, die Stilformen, Schnitte und Farbgestaltungen, die die Sortimente prägen, unterscheiden sich deutlich von dem, was in Europa zum guten Ton gehört. Deutlich technischer, martialischer, bunter geht es zu. Auch hier hat der viel zitierte Comic-Style unauslöschlich seine Spuren gelegt.

Das Fahrzeug aber, das bei der Tokyo Motorcycle Show am häufigsten im Scheinwerferlicht stand, das von vielen Anbietern als Präsentationsträger Nummer eins in Szene gesetzt wurde, steht auch in Deutschland vor einem viel versprechenden Marktstart: Kawasakis neuer Neo-Retro-Renner Z 900 RS.

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