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BMW R nineT Urban G/S: Retro-Ikone, Custom-King
15.05.2019

Kein Zweifel: BMW bietet mit der R nineT-Baureihe ein echtes, unverfälschtes Boxer-Fahrerlebnis. Samt authentischem Retro-Auftritt. Heritage at its best, würde der Engländer sagen. Der öl-/luftgekühlte 1200er Motor darf trotz Ausgleichswelle noch ordentlich schütteln und rütteln, dabei kernig klingen, das Bodywork rund um das Charakter-Aggregat zeigt sich erfrischend knapp geschnitten, aufs Wesentliche reduziert. Und: Die Baureihe lässt reichlich Platz in Sachen Customizing. Und macht damit aus den Bikes gutes Material für den Fachhandel. Wir fahren die R nineT Urban G/S im Dauertest-Betrieb.

Seit nunmehr 40 Jahren steht das Kürzel GS in den Modellbezeichnungen von BMW als Synonym für geballte Abenteuerlust auf zwei Rädern. Mit der legendären BMW R 80 G/S hoben die Bayern 1980 das Genre Reise-­Enduro aus der Taufe – das heute mehr denn je boomt und der Branche prächtige Umsätze beschert. Alleine von der aktuellen 1250er GS wurden bis Ende März 2019 sage und schreibe gut 3.600 Einheiten neu zugelassen – knapp elf Prozent aller Neuzulassungen dieses Jahr überhaupt.

Authentischer Auftritt
Optisch am nächsten dran an der Ur-GS ist derzeit sicherlich die R nineT Urban G/S, die 2016 ins Modellprogramm der Bayern einfloss. Sie bewältigt den Spagat zwischen reduziertem, entkernten, authentischen Ur-Boxer-Auftritt und moderner, zeitgemäßer Motorradtechnik nahezu mühelos. Das luft‑/ölgekühlte 1.170-Kubik-Triebwerk entwickelt 81 kW (110 PS) Leistung, die über ein gut schaltbares Sechsganggetriebe ans Hinterrad abgegeben wird – das ist mehr als genug Power für jede Fahrsituation. Über den links angeordneten formschönen Endschalldämpfer liefert das Aggregat einen insgesamt äußerst kernigen Klang aus – den einsetzen kann, wer ihn explizit möchte. Man muss aber nicht: Der Urban-Fahrer, der bei Ortsdurchfahrten in moderaten Drehzahlregionen bleibt, kann damit das Triebwerk auch nahezu im Flüstermodus betreiben – und dadurch seinen Beitrag zur anhaltenden Lärmdiskussion leisten.

Die verbauten Fahrwerks-Komponenten, vorne eine konventionelle Telegabel, hinten ein Zentralfederbein in Verbindung mit dem hauseigenen Paralever-System, arbeiten auch ohne tiefgreifende Verstellmöglichkeiten tadellos. Das Chassis besteht aus drei Teilen: einem vorderen und hinteren Hauptrahmen mit Endteil sowie einem Soziusrahmen.

Breites Zubehör-Angebot
Das Konzept R nineT hat BMW von Anfang an konsequent auf das Customizing konditioniert. Das beginnt mit vielfältigen Möglichkeiten aus dem stetig wachsenden Originalteile-Angebot von BMW selbst, hat aber längst auch etliche renommierte Anbieter des Aftermarket auf den Plan gerufen. Wunderlich beispielsweise bietet für die Urban G/S einen gut sortierten, breit gefächerten Teilefundus, Wilbers hat sich sehr intensiv mit dem Fahrwerk befasst und Federelemente konzipiert, die mit 70 mm mehr Federweg vorne wie hinten den Enduro-Auftritt nochmals beträchtlich schärfen. Aber auch eher exotische Anbieter wie Unit Garage haben viel charakterstarkes Material im Regal.

Für den ambitionierten Fachhandel bietet das Konzept R nineT, speziell auch in der Ausprägung Urban G/S, ein potenziell reiches Betätigungsfeld – auf das sich etliche Fachbetriebe bereits gewagt haben. Ein ebenso spektakuläres wie schönes Beispiel liefert beispielsweise das Team von BMW Martin im bayerischen Schongau: Die dort aufgebaute „R nineT LacRose Replika“ zeigt, wie weit man es in diesem Fach bringen kann.

Unsere Einschätzung:

  • Das R nineT-Konzept von BMW zeigt exemplarisch, wie das Zusammenspiel von Fahrzeughersteller und Aftermarket funktionieren kann. Auf der einen Seite eine Zweiradreihe, die den Markenkern des Herstellers auf äußerst authentische Weise transportiert. Auf der anderen Seite ein Konzept, das ausgesprochen viel Raum lässt, damit sich kreative Köpfe aus dem Zubehörsektor beinahe nach Belieben austoben können. Für den Fachhandel eröffnet diese spannende, ausbalancierte, auf Augenhöhe agierende Beziehung ein ebenso lukratives wie imagebildendes Betätigungsfeld.

Die Highlights der Urban G/S:

  • Topschicker Neo-Retro-Look
  • Druckvoller Boxer mit 1.170 Kubik und 81 kW (110 PS)
  • Modulares Konzept mit viel Spielraum für das Customizing
  • Reichlich rückwärtskompatibles Ab-Werk-Zubehör
  • Großes und ambitioniertes Teile- und Zubehör-Angebot von zahlreichen Qualitäts-Anbietern aus dem Aftermarket

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