Der AK 550i besticht durch überzeugende Fahrleistungen und ein starkes Fahrwerk. Testride   5 Bilder

Kymco AK 550i: Frontalangriff auf die Spitze des Maxiroller-Feldes
3. 8. 2017

Die Qualitäten des neuen Hightech-Sportrollers aus Fernost überzeugen auf Anhieb: Bärenstarker Motor, robustes Fahrwerk, kräftige Bremsen, innovatives Cockpit. Für den geforderten Preis ein Top-Paket.

Das Sportgerät AK 550i brachte uns wahrlich zum Staunen. Stets bescherte er uns das Gefühl, gar nicht auf einem Roller zu sitzen. Motorradähnliche Fahreigenschaften paaren sich mit gutem Sound und einer Top-Bremsanlage – dieser Dreiklang stünde auch jedem klassischen Big-Bike gut zu Gesicht. Die Verarbeitung des Fahrzeugs ist auf üblichem Kymco-Niveau und damit sehr hochwertig.

Der Zweizylinder-Motor des AK – das Kürzel steht für „Anniversary Kymco“ und weist auf den 2017 begangenen 50. Geburtstag des taiwanesischen Rollerherstellers hin – überzeugt auf ganzer Linie: Vom Stand weg schiebt das 54-PS-Aggregat satt an und zieht, wirksam unterstützt von einer unaufgeregt agierenden Variomatik, ohne große Einbrüche linear durch bis zu seiner Vmax von um die 165 m/h – mehr als ausreichend für die forcierte Landstraßenhatz mit schnellen Überholmanövern oder den gelegentlichen Ritt über die Autobahn. Im Stadtverkehr lässt die Power des 550ers beim Ampel-Blitzstart indes jeden Sportwagen hinter sich.

Die Sitzposition fällt sportlich aus, lässt aber im Zusammenspiel mit dem gut angestellten Lenker nie das Gefühl aufkommen, keine Kontrolle über die vollgetankt immerhin gut 245 Kilo schwere Fuhre zu haben – im Gegenteil: Bei unserer Testfahrt über eine enge, dennoch sehr schnelle Kart-Rennstrecke entwickelten wir schnell großes Vertrauen in die Balance und Agilität des erstmals mit einem Aluminiumrahmen ausgestatteten Groß-Rollers. Die Kurveneigenschaften des AK sind dank der Motorrad-ähnlichen Antriebsgeometrie, die Schwinge und Motor trennt, was deutlich weniger ungefederte Masse bedeutet und somit der Fahrdynamik zugute kommt, gewaltig: Spurstabil, ohne jegliches Wippen und sehr präzise lenkt der Roller in jede Kehre ein – beinahe wie ein ausgewachsenes Superbike. Die Bremsanlage des vorne wie hinten auf 15-Zöllern rollenden Scooters hat dabei alles voll im Griff. Die mit Brembo-Zangen an der Vorderhand ausgerüstete Doppelscheibe greift bei Bedarf brachial ein. Das sehr fein regelnde ABS-System aus dem Hause Bosch ist letzter Stand der Technik, auf die auch zahlreiche Premiumanbieter wie BMW oder KTM vertrauen.

Auf eine echte Traktionskontrolle haben die Kymco-Ingenieure beim AK 550i verzichtet, dafür haben sie ihm einen Rain-Mode spendiert, der die Leistung des Motors geringfügig auf 46 PS verringert. Mit einer Reichweite von etwa 280 Kilometern lassen sich schöne Tagestouren planen.

Das Windschild des AK lässt störende Windwirbel außen vor. Bei hohem Tempo läuft der Roller geradeaus wie ein Flugzeug, so dass auch längere Etappen zum Vergnügen werden. Auch die Sitzbank, deren Rückenkeil verstellbar ist, geriet ausreichend komfortabel, um entspannt ans Ziel zu kommen. Wichtig für den Alltagsnutzen ist, dass unter der Sitzbank ein Integralhelm locker Platz hat, dazu noch die kleineren Dinge, die man eben so braucht.

Kymco preist den AK 550i als smarten Roller an, das heißt: Wer mag, kann sich mit dem Smartphone via Noodoe-App mit dem Fahrzeug vernetzen und bestimmte Daten auf das futuristische Display streamen oder sehen, wer gerade angerufen oder eine Nachricht gesendet hat. Die kann man dann auch abrufen – allerdings nur, wenn das Fahrzeug steht. Ein echter Pluspunkt in Sachen Sicherheit!

Unser Fazit:
Der AK 550i ist eine logische Weiterentwicklung aus der Palette von Kymco. Nun greift man nach den Kunden von Yamaha, die in diesem Jahr ihr Spitzenmodell T-Max in neuem Ornat präsentiert haben, und BMW, die ihr Spitzenmodell C 650 bereits 2016 auf komplett neue Räder gestellt hatten. Beide Hersteller bieten mit ihren Spitzen-Scootern technisch und optisch kaum mehr als Kymco mit dem AK 550i, haben aber ihre Grundpreise deutlich höher kalkuliert. Aus diesem Grund sollte Kymco erfolgreich in den Gewässern fischen können, in denen Yamaha und BMW bislang beinahe ungestört ihre Kreise ziehen konnten. Der Preis, den Kymco für den AK 550i aufruft, ist überaus fair für derart viel Roller – unter 9.800 Euro. Super!

Technische Daten:
2-Zylinder-Reihenmotor mit 550 Kubikzentimetern Hubraum und einer Leistung von 39,5 kW (53,7 PS) bei 7.500 U/min., Drehmoment 55 Nm bei 5.500 U/min.; stufenloses Variomatikgetriebe mit Fliehkraftkupplung; Aluminiumrahmen, Upside-Down-Teleskopgabel vorne, Zweiarmschwinge mit liegendem Mono-Federbein hinten; Doppelbremsscheibe vorne mit 270 mm Durchmesser und Brembo-Bremssätteln, hinten Einzelscheibe mit 260 mm Durchmesser, Bosch-ABS 9.1; Reifen 120/70-15 (vorne),160/60-15 (hinten), Leergewicht: 230 kg; Sitzhöhe: 785 mm; Tankinhalt: 14,5 Liter, Verbrauch Ø: 5 Liter, Reichweite: ca. 280 km; Preis: 9.799 Euro.

(Video: Hersteller)

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